Der Defender

Je älter man wird, desto mehr rücken unerfüllte „Jugendträume“ in den Vordergrund, die man aus irgendwelchen Gründen nicht so leben konnte, wie man es eigentlich hätte machen wollen/sollen. Das was wirklich wichtig ist im Leben merkt man erst im Laufe des Lebens selbst. Und für jeden ist es immer etwas Anderes. Bei mir ist es das Reisen. Als „geborener Nomade“ habe ich zwei Häuser gebaut und die Grundstücke eingezäunt. Das muss man sich mal vorstellen! Während die in den 1920/30er Jahren erfolgte sowjetische „Sesshaftmachung“ der kasachischen Nomaden nur unter Zwang möglich war, habe ich das für meinen Teil ganz allein geschafft. Vergleiche hinken, ich weiß. Aber vielleicht illustriert dieses Beispiel den Unterschied zwischen Jurte und Haus. Zwischen Freiheit und Käfig…

Unabdingbare Grundvoraussetzung für einen Nomaden ist seine Mobilität. Wenig „Gepäck“ und ein gutes „Fortbewegungsmittel“. Ohne das Pferd wäre Dschingis Khan wohl kaum über die Grenzen der Mongolei hinausgekommen. Heute gehört ein „anständiger Geländewagen“ zur Grundausstattung der schnell wachsenden Mittelschicht in Kasachstan. Angesichts der kasachischen „Straßen“verhältnisse und des Wunsches nach zuverlässiger Mobilität eine logische Weiterentwicklung.

Nomaden benötigen also ein zuverlässiges und robustes Transportmittel, auf das sie auch in Extremsituationen bauen können. Das gilt natürlich auch für „kleine Entdecker“, die sich anschicken, die üblichen touristischen Pfade zu verlassen und deren Kompassnadel ostwärts zeigt. Als ich im letzten Jahr mit dem Nemo in Georgien war, sind wir relativ schnell an unsere Grenzen gestoßen. Für viele Nebenstraßen war die Bodenfreiheit nicht mehr ausreichend. An das Befahren der nach Swanetien führenden Gebirgsstraßen war gar nicht zu denken!

Soviel zur „Vorgeschichte“. Denn das sind alles Dinge die anfällig machen: Neugier, Abenteuerlust und vor allem bislang nicht gelebte Lebensträume, die nun (mit 60!) mit Macht zum Durchbruch drängen.

Vor gut drei Wochen, Mitte März 2012, lief „er“ mir dann irgendwie über den Weg. Ich weiß gar nicht mehr genau wo das eigentlich war. Ich tippe mal auf’s Internet. Und dann gab es kein Halten mehr. Der kleine Kerl bohrte sich geradewegs in mein Herz und der Verstand hatte keine Chance. So ist das eben bei „true Love“, bei „echter Liebe“.

Er ist so alt wie ich. Sogar noch vier Jahre älter und als „fabrikneuer Oldtimer“ wirkt er wie das Konzentrat aus 60 Jahren Forschergeist und Entdeckertum und macht aus jeder Alltagsfahrt einen kleinen Abenteuerurlaub. Seine Werte liegen nicht im Fahrkomfort, der Straßenlage oder der Höchstgeschwindigkeit. Was zählt sind Böschungs- und Rampenwinkel, Bodenfreiheit, Steigfähigkeit und Wattiefe. Um den eigensinnigen „Oldtimer“ mit dem störrischen Fahrwerk, den bockigen Federn und dem riesigen Wendekreis über die Landstraße zu dirigieren, braucht es die strategische Weitsicht und den Gleichmut eines Dampferkapitäns. Man muss ihn einfach lieben, sonst geht es nicht. Und diese Liebe belohnt der robuste Kerl abseits der Straße: kein Hügel ist ihm zu steil, keine Pfütze zu schlammig oder zu tief und kein Pfad zu ausgefahren – wenn noch eine Profilstolle den Boden berührt, wühlt er sich durch. Das ist ihm bislang auch mit dem Paragraphendschungel gelungen. Wahrscheinlich zum allerletzten Mal. Euro 5 hat er gerade noch geschafft, aber sein Ende ist absehbar: Die Bestimmungen zum Fußgängerschutz und die Euro-6-Norm machen dem „Offroad-Saurier“ 2015 endgültig den Garaus. Die Entwicklungsarbeiten am Nachfolger laufen schon…

Letzte Möglichkeit für eine „große Liebe“. Am 30.03.2012 haben wir uns das Ja-Wort gegeben und sobald die „Mitgift“ auf dem Konto ist, gehen wir auf große Fahrt…

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Was für ein Glück ist es doch…

…in Berlin zu leben! Und das seit 1978. Ich liebe diese Stadt. Als Hamburger hat man es hier leicht und finden tut man alles. Liebe, Trubel, Hektik und Wahnsinn ebenso wie Ruhe und Beschaulichkeit. Wer dabei selbst Regie führt und eine gute Auswahl trifft, kommt hier voll auf seine Kosten und will nie, nie mehr weg. Dabei sind die Berliner auch sehr beweglich und fast überall auf der Welt zu finden. Kleine Nomaden sozusagen, die irgendwann ihre sieben Sachen zusammenpacken und ihrem inneren Fernweh folgen. Das hört ja Gott sei dank nie auf. Zu „lebenslanger Neugier“ verdammt… Gibt’s da einen besseren Ausgangspunkt als diese wunderbare Stadt der Vielfalt? Für mich nicht.

Und wer Ruhe braucht und „auftanken“ will: Berlin liegt mitten in Brandenburg! Und das hat seit 1989 durchgängig geöffnet. Kaum zu glauben, aber wahr! Viele haben das für sich noch immer nicht so richtig wahrgenommen und reisen lieber mit der Sonne im Rücken (westwärts) anstatt ihr entgegen (ostwärts) zu fahren. Ost- und Südosteuropa und die ehemaligen Republiken der Sowjetunion können heute weitestgehend frei bereist werden. In die Ukraine (von Berlin aus mit einer Tankfüllung zu erreichen) und nach Georgien geht’s sogar ohne Visum. Nähere Infos am kommenden Wochenende (10. und 11.03.2012) auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin.

Und für Zwischendurch belohnen die „Kleinen Fluchten“ in Brandenburg mit einer Extraportion Dopamin. Vorsicht: macht extrem süchtig!!

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Wo geht es denn hier bitte zur Neumark?

Am besten immer geradeaus. Vom Alexanderplatz direkt auf die Karl-Marx-Allee und dann immer weiter ostwärts auf der ehemals bedeutendsten West-Ost-Verbindung des Deutschen Reiches, der Reichsstraße 1. Die führte auf 1392 km Länge von Aachen bis zum „Polnischen Korridor“ in Westpreußen und weiter bis nach Königsberg. Könnte man auch mal „abfahren“.

Bis zur Neumark sind es aber nur gut 100 km. Nach ca. 80 km erreicht man Seelow. Nun durchquert man auf einer Länge von 20 km das Oderbruch in östlicher Richtung, passiert die Oder und erreicht Küstrin (Kostrzyn nad Odra). Rechter Hand liegen die Festung, bzw. deren Reste und die bis auf die Grundmauern zerstörte Altstadt. Das Karthago des 20. Jahrhunderts…

Die nächste Brücke führt über die Warthe (Warta), die hier in die Oder (Odra) mündet. Und damit ist man auch schon praktisch in der Neumark angelangt. Seit den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz vom Juli/August 1945 gehört dieses Gebiet zu Polen.

„Es ist ein Garten, den ich manchmal sehe
östlich der Oder, wo die Ebenen weit.
Ein Graben, eine Brücke, und ich stehe
An Fliederbüschen, blau und rauschbereit.“

So einfühlsam und sehnsuchtsvoll beschrieb einmal Gottfried Benn die Landschaft um Sellin/Neumark (heute Zielin, Ortsteil von Mieszkowice, Polen), in der er aufwuchs.

Die nachfolgenden Bilder machen neugierig und wecken die Vorfreude auf etwas wärmere Tage, an denen das Swissbike endlich wieder zum Einsatz kommt. Echt günstige Übernachtungsangebote gibt es auch. Die Aufnahmen wurden am 13. Februar 2012 gemacht.

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Das Oderbruch

“Als ich vor einigen Jahren durch Zufall das Oderbruch aufsuchte, war ich sofort von der endlosen Weite, dem Feldermeer und dem Himmel fasziniert, der grauer, blauer, finsterer und heiterer schien als der aus meinem städtischen Leben. Und die Nacht war zudem ungewohnt schwarz und still. Meiner ersten Begegnung folgten viele Aufenthalte, während derer der Landstrich immer mehr ein faszinierendes Gesicht erhielt. Mit zunehmendem Interesse gesellten sich zur Landschaft schnell Geschichte und Personen, deren Wirken im Oderbruch begann oder die ihren Lebensmittelpunkt dort hatten. Und ich selbst gesellte mich auch zum Oderbruch, kann nun täglich Gleichmut und Selbstverständlichkeit der Landschaft beobachten”. Thomas Worch in seinem Vorwort zur 3. Auflage des im Trescher-Verlag erschienenden Reiseführers “Oderbruch”.

Eisgang bei Hohenwutzen am 01.02.2012

Ich hätte es nicht besser sagen können… Mir geht es ganz genau so. Im Oderbruch komme ich zur Ruhe, ich finde zu mir selbst und entdecke jedes Mal etwas Neues.

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Ein Wunder, das nicht glänzt…

Seit 15 Jahren schweigen in Bosnien und Herzegowina die Waffen, Spuren des Krieges sind aber auch heute noch sichtbar. Sarajevo mit seinem berühmten Handwerksviertel, den Moscheen, Kirchen und Museen möchte ich nun unbedingt einmal sehen.

Auf meiner diesjährigen Tour nach Georgien/Armenien werde ich also einen kleinen Schlenker von Ungarn durch Kroatien nach Bosnien Herzegowina machen und mir dort die Gegend um Tuzla und vor allem um und in Sarajevo anschauen. Anschließend geht’s dann mit dem Nemo weiter ostwärts nach Serbien und über Uzice nach Nis zurück zum alten Autoput, dem heutigen „Izin Yolu“. Dann sind wir „wieder in der Spur“ und der Nemo läuft von alleine durch Bulgarien und die Türkei bis nach Georgien. Ich kann es kaum erwarten…

Passend dazu der im Januar 2012 in der vierten Auflage erscheinende Reiseführer des Trescher-Verlages über Bosnien und Herzegowina. Freude, Freude…

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Die stille Liebe

Mit der Zuneigung, der Hingebung, dem Begehren oder der Liebe ist es so eine Sache. Manchmal kommt „es“ mit einem Knall. Der bekannte „wow-Effekt“. Dann ist man mit einem Mal „hin und weg“. Manchmal kommt „es“ aber auch schleichend. Man merkt gar nicht, wie man langsam „umgarnt“ wird.

Bei mir war es eher schleichend. Die ersten Male hatte ich sie gar nicht so richtig bemerkt. Achtlos bin ich über sie „hinweg gefahren“. Es gab nichts Spektakuläres an ihr, das mich hätte fesseln können. Und doch zieht es mich immer wieder zu ihr hin. Natürlich nicht an jedem Tag. Dafür „wohnen“ wir zu weit auseinander. Immerhin 100 km. Es ist eine Art „Fernbeziehung“ die wir zueinander aufgebaut haben. Einzigartig und einseitig noch dazu. Die Bewegung geht immer von mir aus. Sie bewegt sich zwar auch, aber nie in meine Richtung. Mitunter probiert sie auch etwas Neues aus und wechselt ihr Bett. Sie lässt sich nur ungern gängeln und in eine bestimmte Richtung zwängen. Ihre Freiheit und ihre Ungezwungenheit liebt sie über alles. Ich muss das respektieren, denn das macht ihren eigentlichen Reiz erst aus. Dadurch schafft sie um sich herum eine Aura, die mich bei jeder Begegnung von Neuem betört: Der Himmel über ihr ist weit und meine Gedanken sind von ihrem Zauber beschwingt und leicht. Keine Enge, die hier Grenzen setzt.

„Ursprünglich“ kommt sie aus dem tschechischen Kozlau. Dort hat sie aber nur ihre allerersten Jahre verbracht. Dann „trieb“ es sie durch halb Polen: Ratibor/Raciborz, Oppeln/Opole, Breslau/Wroclaw, Leubus/Lubiaz und Grünberg/Zielona Gora sind nur einige Stationen auf ihrem Weg. Kennengelernt habe ich sie an der deutsch-polnischen Grenze, irgendwo zwischen Ratzdorf und Gartz. Seitdem komme ich nicht mehr von ihr los:

von meiner geliebten Oder.

Unspektakulär kommt sie daher. So ganz und gar nicht Rhein. Für den aber, der sie zu schätzen weiß, öffnet sie sich in ihrer ganzen Vielfalt. Gut 870 km Abenteuer und Selbstfindung warten darauf entdeckt zu werden. Immer gut für eine Tour mit dem Nemo und dem Swissbike. Zu jeder Jahreszeit. Im Winter bringt sie auch gern das Eis für den Wodka mit.

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Kleine Beben

Immer wieder kommt es auf unserem Planeten zu Erdbeben von unterschiedlicher Heftigkeit. Ursächlich dafür sind die Spannungen, die durch die Verschiebungen der verschiedenen Platten entstehen, die sich jeweils aufeinander zu bzw. voneinander wegbewegen. Alles ist im Fluss. Und mitunter ruckelt es ganz schön stark, bis sich wieder eine neue Ordnung gefunden hat.

Bei meiner Reiseplanung für den kommenden Sommer hat es auch ein wenig geruckelt und mit einem Mal rückte der Kaukasus wieder in den Mittelpunkt meines Interesses. Durch das von Aserbaidschan geforderte hohe Deposit bei der Einreise mit dem eigenen Auto hat sich das „Land des Feuers“ bei mir leider selbst von der Liste gestrichen. Deshalb hatte ich meinen Blick vom Kaukasus in die ukrainisch-russische Richtung gelenkt und an die Umrundung des Asovschen Meeres gedacht. Zwei Ereignisse führten nun zu einem Perspektivwechsel: Die auf Facebook verlinkten Fotos aus Georgien und Armenien von einer Reisebekanntschaft aus der Osttürkei, sowie ein längeres Gespräch mit einem ausgewiesenen Ukraine- und Russlandkenner.

Wie bei den Plattenverschiebungen gab es ein „Aufeinanderzu“ und ein „Voneinanderweg“. Die Anziehung zur kaukasischen Landschaft und der georgischen Gastfreundschaft war angesichts der Bilder erneut entfacht und die Neugier auf das mir bislang unbekannte Armenien wurde stärker und stärker, zumal der Nemo dort willkommen ist. Für die Einreise nach Armenien wird ein Visum benötigt, die Einreise mit dem Auto ist problemlos möglich!

Das „Voneinanderweg“ hat seine Ursachen in dem Riesenprogramm (Ukraine und Russland), den zu erwartenden höheren Unterkunftskosten (Fussball EM in der Ukraine), unsicherer Fährverbindungen nach Russland und erschwerender Reisebedingungen in Russland (Visum in Verbindung mit Migrationskarte).

Solange es keine schweren Nachbeben mehr gibt, geht es im Sommer 2012 also mit dem Nemo ohne großes Tralala (Berlin-Batumi in vier bis fünf Tagen) auf der Balkan-Route via Türkei nach Georgien und Armenien.

Für die Vorfreude bitte klicken

Die Planung beginnt. Ich hole mir jetzt bei Globetrotter den Georgien-Reiseführer vom Trescher-Verlag.

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Ohne den Nemo geht gar nichts

„Bei der Einreise (nach Aserbaidschan) ist zu beachten, dass für das Auto ein sehr hohes Zollpfand fällig wird (z. B. 3.660 US-Dollar für einen Ford Fiesta im Sommer 2009), das ausschließlich in bar bezahlt werden kann (Quelle: Wikitravel).“

Okay, dann eben (vorerst) noch nicht. Obwohl mich der Kaukasus natürlich schon sehr „anmacht“. Es ist einfach alles da! Und das auf engstem Raum! Leider gibt es dort auch noch zahlreiche politische Konflikte, die das Überschreiten der (Land-) Grenzen unmöglich machen. Kein Durchkommen von Georgien nach Russland und umgekehrt, kein Durchkommen von Aserbaidschan nach Russland (Dagestan) und umgekehrt, kein Durchkommen von Armenien nach Aserbaidschan und umgekehrt…

Wie gesagt, auf Aserbaidschan hatte ich mich richtig gefreut. Die Anreise über Georgien wäre sicher sehr interessant gewesen und ich hätte neben den kaukasischen Bergen auch einmal das Kaspische Meer gesehen.

Nach vielem Hin und Her habe ich nun aber eine wirklich reizvolle Alternative gefunden, die sich zumindest von den politischen Gesamtvorgaben her realisieren lässt. Lediglich die „sichere Versorgung“ mit Übernachtungsmöglichkeiten macht mir im Moment noch ein wenig Kopfzerbrechen. Ansonsten ist das wirklich eine Top-Alternative:

Die „Große Ukraine-Tour“ mit Abstecher nach Russland und Umrundung des Asovschen Meeres. Da lacht der Nemo, denn hier darf er mitkommen. Ungefähre Zeitplanung: 21.06.2012 bis 31.07.2012. Ungefähre Route:

Teil 1: Berlin, Lemberg, Odessa, Jalta, Kerc. Von dort mit der Fähre nach Russland.

Teil 2: Krasnodar, Rostov, Dnipropetrovsk, Lemberg, Berlin.

Ja, das würde mir gefallen. Das fühlt sich echt an und weckt den Entdecker und die Neugier…

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Einmal im Leben…

…nach Kasachstan. Nicht mit dem Flugzeug in Astana landend, sondern mit dem Nemo und dem Swissbike von Baku her über’s Kaspische Meer kommend oder über Russland auf dem Landweg einreisend. Das wünsche ich mir von Herzen.

„Kasachstan“, so schreibt Dagmar Schreiber in ihrem Vorwort zum gleichnamigen, im Trescher-Verlag erschienenen Reiseführer, „Kasachstan ist ein erstaunliches Land zwischen Tradition und Moderne. Nomadische Lebensformen und Bauboom in den Städten. Berittene Hirten in der Steppe und Luxuskarossen auf den Straßen Almatys und Astanas. Kamelherden neben Erdöl-Bohrtürmen…

Wer nach Kasachstan fährt, sollte wissen, dass er als anderer Mensch zurückkehrt. Er hat dann in sich die grenzenlose Weite der Steppe, die majestätische Stille der Gebirge, den unbekümmerten Lärm der Städte, den an Pferdegetrappel erinnernden Klang der Dombra. Er hat dann vielleicht eine Sehnsucht in sich, die er vorher nicht kannte:


Sehnsucht nach dem prickelnd-rauchigen Geschmack vergorener Stutenmilch. Nach dem Staunen, von dem man ergriffen wird, wenn man nachts in einer Jurte liegt und durch den geöffneten Rauchabzug in den klaren, sternenübersäten Himmel schaut. Nach der Begeisterung angesichts einer hundertköpfigen, bunten Pferdeherde in der mohnroten Frühlingssteppe. Nach dem trunkenen Gefühl beim Wandern über blühende Wermutwiesen. Nach dem Zikadengedröhn in einem sommerheißen Wüstencanyon. Wer dieses Sehnsuchtsrisiko eingehen will, sollte nicht warten. Das Unbekannte entdecken kann man nur selbst…“

Soweit Dagmar Schreiber, der ich aus vollem Herzen zustimme. Zur Umsetzung dieses Vorhabens benötige ich allerdings etwas Zeit. Ein halbes Jahr wäre ganz schön. April bis September. Damit ließe sich etwas anfangen. Als Jahreszahl könnte ich 2018 dahinter schreiben, dann bin ich im „wohlverdienten“ Ruhestand und kann so lange herumreisen wie ich will. Vielleicht habe ich dann aber auch schon Gliederreißen und komme nur noch bis in die nächste Kurklinik? Dann würd’ ich mich aber ärgern. Ganz in echt!

Wenn die Abzüge nicht allzu groß sind, könnte ich auch schon mit 63 aufhören. Da soll das Leben ja auch noch ganz schön sein. Ich muss mir das mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen… Auf alle Fälle muss eine Entscheidung her!

Im Sommer 2012 stehe ich jedenfalls mit dem Nemo und dem Swissbike am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres und blicke sehnsuchtsvoll der aufgehenden Sonne entgegen. Das ist für mich schon mal klar wie Klossbrühe. Wenn der Ostwind mir die Gerüche und Verheißungen Kasachstans in die Nase treibt, wird es eh’ nicht mehr lange dauern…

Photo © David Chamberlain, uploaded by Jacobolus 09:29, 17 Jan 2005 (UTC)

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Never stop exploring…

…dieser bekannte Werbespruch eines großen Outdoor-Bekleidungsunternehmens trifft es eigentlich sehr genau. Für mich geht es dabei natürlich nicht um die Winterbesteigung des Gasherbrum II Gipfels, sondern in erster Linie darum, mit der „persönlichen Erkundung der Welt“ niemals aufzuhören. Das hält mich irgendwie am Leben, es treibt mich an und lässt mich über Tiefpunkte besser hinwegkommen. Es sind die Erfahrungen dieser Reisen die mir zeigen, dass es immer und immer irgendwie weitergeht. Mitunter sogar noch viel besser, als man es sich vorher vorgestellt hat. Das innere Mosaik, meine geronnenen und festgefügten Vorstellungen (Vorurteile?) von dieser Welt, werden auf diese Art und Weise ständig in Bewegung gehalten und so entsteht jeden Tag etwas Neues, das zugleich ans Alte anknüpft, es verändert und weiterentwickelt. Es bleibt immer spannend. Gibt es überhaupt irgendetwas Schöneres als Reisen??

Dass ich mit dem Nemo in diesem Jahr bis nach Georgien und die Ukraine fahren würde, hatte ich am Anfang des Jahres auch nicht gedacht. 2011 ist für mich zu einer reisemäßigen Erfolggeschichte geworden. Aufbauend auf die in diesem Jahr gemachten Erfahrungen schwebt mir im kommenden Jahr eine der folgenden „Erkundungen“ vor:

  • Kaspisches Meer
    via Polen, Ukraine (Autofähre von Odessa nach Batumi), Georgien, Aserbaidschan (Baku). Rückfahrt über die Türkei und den Balkan.
  • Karpaten
    Polen, Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien.
  • Ukraine
    Die große Tour. Einmal rundherum. Karpaten, Schwarzes Meer mit Krim, Ostukraine und Rückfahrt über Kiew.
  • Ostseerundfahrt
    Polen, Russland (?), Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden, Dänemark.

Die Rangfolge entspricht meiner derzeitigen Schwerpunktsetzung. Das kann sich natürlich immer noch ändern. Das Leben ist bunt… Aber die Route ans Kaspische Meer hat für mich einen besonderen Reiz. Sie eröffnet mir die Perspektive nach Mittelasien: Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, Tadschikistan oder Turkmenistan. Kulturen, die in Europa schon seit den Erzählungen von Marco Polo und durch die Händler auf der großen Seidenstraße bekannt sind. Der Realisierung meines „Jugendtraums“ (auf dem Landweg nach China), käme ich ein ganzes Stück näher.

Der nächste Winter (bibber, bibber) kommt bestimmt. Zeit genug also für die Konkretisierung und Planung (Fährverbindung von Illichivsk nach Batumi) der Reise…

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